Cloud-Souveränität: Welchem Recht unterliegen Ihre Unternehmensdaten?

Am 8. Juli 2026 veranstaltete Aire, die Unternehmensgruppe, zu der Stackscale gehört, das erste Webinar der Reihe Despeja tu Cloud. Die Veranstaltungsreihe soll die regulatorischen, technischen und geopolitischen Veränderungen erklären, die die Beschaffung von IT-Infrastruktur grundlegend verändern. Zigor Gaubeca, CIO von Aire, und David Aibar Carretero, Head of Sales, stellten dabei eine Frage, die in jeder Geschäftsleitung diskutiert werden sollte: Könnte ein Unternehmen heute klar und nachvollziehbar beantworten, welcher Rechtsordnung seine geschäftskritischen Daten unterliegen?

Die Antwort hängt nicht allein davon ab, in welchem Land sich das Rechenzentrum befindet. Eine Workload kann physisch in Madrid, Paris oder Frankfurt betrieben werden und dennoch aufgrund der Nationalität, der Konzernstruktur oder der tatsächlichen Kontrolle des Anbieters den Gesetzen eines Drittstaats unterliegen. Deshalb wird Cloud-Souveränität zunehmend zu einem Bestandteil der Business-Continuity-Strategie, ebenso wie Cybersicherheit, Backups, Hochverfügbarkeit und Disaster Recovery.

Cloud-Souveränität: die wichtigsten Punkte in 20 Sekunden

  • Die Speicherung von Daten in Europa garantiert nicht automatisch, dass ausschließlich europäisches Recht gilt.
  • Die maßgebliche Rechtsordnung hängt auch vom Dienstleister, dessen Muttergesellschaft, den Unterauftragnehmern und davon ab, wer die Daten besitzt, verwahrt oder kontrolliert.
  • Der US-amerikanische CLOUD Act kann auch auf außerhalb der Vereinigten Staaten gespeicherte Daten Anwendung finden, wenn diese von einem Anbieter kontrolliert werden, der der US-Gerichtsbarkeit unterliegt.
  • Dies erlaubt keinen willkürlichen Zugriff auf beliebige Informationen. Erforderlich ist eine gültige, konkrete und auf ein rechtliches Verfahren bezogene Anordnung.
  • Der europäische Data Act, der seit dem 12. September 2025 grundsätzlich anwendbar ist, verpflichtet Anbieter dazu, vertragliche, wirtschaftliche und technische Hindernisse für einen Cloud-Anbieterwechsel abzubauen.
  • Ab dem 12. Januar 2027 dürfen die im Data Act definierten Wechselentgelte nicht mehr erhoben werden. Migrationen verursachen jedoch weiterhin technische und betriebliche Kosten.
  • Am 3. Juni 2026 legte die Europäische Kommission den Vorschlag für den Cloud and AI Development Act, CADA, vor. Dieser sieht einen gemeinsamen Rahmen zur Bewertung unterschiedlicher Stufen der Cloud- und KI-Souveränität vor.
  • Souveränität verlangt nicht, Hyperscaler vollständig aufzugeben. Sie verlangt, Abhängigkeiten zu kennen, bei realen Risiken zu diversifizieren und eine tragfähige Alternative bereitzuhalten.
  • Ein Exit-Plan, der nie getestet wurde, ist noch kein operativ belastbarer Plan.

Der Standort des Rechenzentrums bestimmt nicht die gesamte Rechtsordnung

Viele Infrastrukturentscheidungen galten lange als ausreichend geprüft, sobald ein Anbieter eine europäische Region bereitstellte. Dieses Kriterium war nachvollziehbar: Daten innerhalb der Europäischen Union zu halten, bringt sie näher an Nutzer und Unternehmenssysteme, kann Latenzen reduzieren und unterstützt die Einhaltung bestimmter Anforderungen an die Datenresidenz.

Der physische Standort beantwortet jedoch nur einen Teil der entscheidenden Fragen.

Ebenso relevant ist, welche juristische Person den Vertrag unterzeichnet, wo die Muttergesellschaft ihren Sitz hat, aus welchen Ländern der Dienst administriert werden kann, wer die Verschlüsselungsschlüssel kontrolliert, welche Unterauftragnehmer beteiligt sind und welchen Rechtsordnungen die Unternehmensgruppe unterliegt.

Der 2018 in den Vereinigten Staaten verabschiedete CLOUD Act verpflichtet Anbieter elektronischer Kommunikationsdienste oder Remote-Computing-Dienste dazu, Informationen zu sichern, zu speichern oder herauszugeben, die sich in ihrem „Besitz, Gewahrsam oder unter ihrer Kontrolle“ befinden. Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob die Daten innerhalb oder außerhalb der Vereinigten Staaten gespeichert sind.

Dies bedeutet nicht, dass Behörden ohne Anlass auf sämtliche von einem Anbieter gespeicherten Daten zugreifen können. Es muss eine gültige Anordnung, Anfrage oder ein rechtliches Verfahren vorliegen, das sich auf konkrete Informationen bezieht. Anbieter können bestimmte Anfragen außerdem anfechten und die nach dem anwendbaren Recht verfügbaren Rechtsmittel nutzen.

Das Risiko für ein europäisches Unternehmen entsteht dort, wo sich verschiedene Rechtsordnungen überschneiden. Einerseits muss die Organisation die Datenschutz-Grundverordnung, Vorschriften zu internationalen Datentransfers und ihre vertraglichen Verpflichtungen einhalten. Andererseits kann sie von einem Anbieter abhängig sein, der Anordnungen aus einem Drittstaat unterliegt.

Die Speicherung von Daten in Europa bleibt wichtig, reicht aber nicht aus, um die rechtliche Exposition einer Plattform vollständig zu beschreiben.

Eine umfassende Bewertung sollte mindestens folgende Fragen beantworten:

BereichFrage, die das Unternehmen beantworten sollte
StandortIn welchen Ländern und Rechenzentren werden die Daten gespeichert, verarbeitet und repliziert?
AnbieterWelche juristische Person unterzeichnet den Vertrag, und wo haben die Muttergesellschaft sowie relevante Tochtergesellschaften ihren Sitz?
RechtsordnungWelche ausländischen Gesetze können den Dienst oder den Anbieter betreffen?
BetriebAus welchen Ländern können Support- und Administrationsteams auf die Plattform zugreifen?
VerschlüsselungWer erzeugt, kontrolliert und speichert die Schlüssel, und wer kann sie wiederherstellen?
UnterauftragnehmerWelche Dritten sind an der Leistungserbringung beteiligt, und aus welchen Ländern arbeiten sie?
Staatlicher ZugriffWie reagiert der Anbieter auf Anfragen nationaler oder ausländischer Behörden?
PortabilitätWelche Daten, Images, Konfigurationen, Protokolle und Metadaten lassen sich exportieren?
AusstiegWelche Fristen, Kosten, Formate und Einschränkungen gelten bei Beendigung des Dienstes?

Die Antworten sollten nicht über Verträge, technische Anhänge, Datenschutzrichtlinien und Vertriebspräsentationen verteilt sein. IT, Informationssicherheit, Compliance, Einkauf und Geschäftsleitung benötigen eine gemeinsame Übersicht darüber, wo sich die Daten befinden, wer sie administrieren kann und was bei einem notwendigen Umzug geschehen würde.

Was sich durch den europäischen Data Act ändert

Der Data Act führt konkrete Pflichten ein, um den Wechsel zwischen Anbietern von Datenverarbeitungsdiensten zu erleichtern. Dazu gehören IaaS-Angebote, Cloud-Plattformen und andere Modelle, bei denen Unternehmen Informationen über Ressourcen verarbeiten oder speichern, die sie von einem Dritten beziehen.

Die Verordnung verpflichtet Anbieter dazu, wirtschaftliche, technische, vertragliche und organisatorische Hindernisse zu beseitigen, die einen Wechsel zu einem anderen Dienstleister, die Übertragung der Daten in eine eigene Infrastruktur oder die gleichzeitige Nutzung mehrerer Anbieter erschweren.

Verträge müssen festlegen, welche Datenkategorien und digitalen Vermögenswerte übertragen werden können, welche Formate zur Verfügung stehen, welche technischen Einschränkungen bekannt sind und wie lange Informationen nach Abschluss des Übergangs noch abgerufen werden können. Außerdem müssen sie die Zusammenarbeit des bisherigen Anbieters vorsehen, damit die Kontinuität erhalten bleibt und die Exit-Strategie des Kunden unterstützt wird.

Grundsätzlich beträgt der maximale Übergangszeitraum 30 Kalendertage nach Ablauf der vertraglichen Kündigungsfrist, die ihrerseits zwei Monate nicht überschreiten darf. Ist dieser Zeitraum technisch nicht realisierbar, muss der Anbieter dies begründen und einen alternativen Zeitraum vorschlagen, der höchstens sieben Monate betragen darf.

Am 12. Januar 2027 entfallen die sogenannten Switching Charges. Dabei handelt es sich um Entgelte, die der bisherige Anbieter für Maßnahmen verlangt, zu denen ihn der Data Act während des Wechsels verpflichtet.

Eine Cloud-Migration wird dadurch jedoch nicht kostenlos.

Unternehmen müssen weiterhin für Beratung, Engineering, Datenübertragung, Bandbreite, Anpassung von Anwendungen, Parallelbetrieb, Tests, neue Lizenzen und Schulungen aufkommen. Die Verordnung beseitigt auch nicht automatisch Vertragsstrafen bei vorzeitiger Kündigung oder die Kosten zusätzlicher Leistungen, die außerhalb des regulierten Wechselprozesses liegen.

Der Data Act reduziert bestimmte Hürden, kann aber eine Architektur, die tief auf proprietären Diensten einer einzelnen Plattform aufbaut, nicht von selbst entkoppeln. Je stärker ein Unternehmen proprietäre Datenbanken, Serverless-Funktionen, Identitätsdienste, Messaging-Systeme, APIs oder anbieterspezifische Managed Services nutzt, desto komplexer wird der Ausstieg.

Die Verordnung verpflichtet Anbieter außerdem dazu, offenzulegen, welcher Rechtsordnung die für einen Dienst verwendete Infrastruktur unterliegt. Sie müssen zudem allgemein beschreiben, welche technischen, organisatorischen und vertraglichen Maßnahmen sie gegen internationale staatliche Zugriffe getroffen haben, die mit europäischem Recht im Konflikt stehen.

Dabei ist zwischen verschiedenen Arten von Informationen zu unterscheiden. Die Vorschriften des Data Act zu internationalen staatlichen Zugriffen beziehen sich vor allem auf nicht personenbezogene Daten. Personenbezogene Daten unterliegen weiterhin der DSGVO und den übrigen europäischen Datenschutzvorschriften.

CADA und die neuen europäischen Souveränitätsstufen

Am 3. Juni 2026 legte die Europäische Kommission den Vorschlag für einen Cloud and AI Development Act vor. CADA soll die europäischen Kapazitäten für Rechenzentren, Cloud und Künstliche Intelligenz ausbauen, die Bereitstellung neuer Infrastruktur erleichtern und als riskant eingestufte Abhängigkeiten reduzieren.

Der Vorschlag sieht einen europäischen Souveränitätsrahmen mit vier Vertrauensstufen vor. Die erste Stufe basiert darauf, dass Daten innerhalb der Europäischen Union verarbeitet und gespeichert werden. Die höheren Stufen ergänzen Anforderungen an die Unabhängigkeit von Drittstaaten, die Transparenz der Software-Lieferkette, europäische Eigentums- und Kontrollverhältnisse sowie den Schutz vor externer Einflussnahme.

Die Unterscheidung zwischen diesen Stufen macht eine zentrale Aussage deutlich: Der Standort ist weiterhin wichtig, aber Standort und Kontrolle sind nicht dasselbe.

CADA sieht außerdem gemeinsame Kriterien für die öffentliche Beschaffung, eine stärkere Förderung von Open-Source-Technologien und Maßnahmen zur Beschleunigung des Ausbaus von Cloud- und Rechenzentrumsinfrastruktur vor. Die Europäische Kommission schlägt darüber hinaus vor, die europäische Rechenzentrumskapazität innerhalb der kommenden fünf bis sieben Jahre mindestens zu verdreifachen.

Noch handelt es sich um einen Gesetzgebungsvorschlag. Sein Inhalt kann sich während der Beratungen im Europäischen Parlament und im Rat verändern. Die politische Richtung ist jedoch erkennbar: Abhängigkeiten von Infrastrukturen und Anbietern aus Drittstaaten werden nicht mehr nur als Wettbewerbs- oder Datenschutzfrage betrachtet, sondern auch als Risiko für die Resilienz von Behörden, Krankenhäusern, Banken, Industrieunternehmen und kritischen Diensten.

Cloud-Anbieter werden deshalb zunehmend anhand mehrerer Kriterien bewertet werden: Sicherheit, Portabilität, Interoperabilität, Rechtsordnung, operative Kontrolle, Nachhaltigkeit und die Fähigkeit, den Betrieb auch bei rechtlichen oder geopolitischen Veränderungen aufrechtzuerhalten.

Operative Souveränität: den Ausstieg planen, bevor er erforderlich wird

Eine der nützlichsten Aussagen des Webinars war die Unterscheidung zwischen Souveränität als politischem oder institutionellem Begriff und der operativen Souveränität, die ein Unternehmen tatsächlich benötigt.

Operative Souveränität lässt sich messen. Eine Organisation besitzt mehr Kontrolle, wenn sie entscheiden kann, wo jede Anwendung betrieben wird, weiß, wer ihre Daten administriert, und eine tragfähige Alternative bereithält, falls sich die Rahmenbedingungen ändern.

Ein solcher Wechsel kann durch einen Ausfall, einen Cyberangriff, eine Preiserhöhung, eine Unternehmensübernahme, ein verändertes Lizenzmodell, neue regulatorische Anforderungen oder eine geopolitische Entscheidung ausgelöst werden.

Wie David Aibar während der Veranstaltung erläuterte, berechnen viele Unternehmen sehr genau, was der Einstieg in die Cloud kostet. Nur wenige ermitteln jedoch, welche Kosten ein späterer Ausstieg verursachen würde. Im Webinar wurde dies mit der Anmietung eines Büros verglichen: Neben der Miete und dem anfänglichen Ausbau sollte ein Unternehmen auch berücksichtigen, was es kostet, die Räume zu verlassen und im vereinbarten Zustand zurückzugeben.

Bei Cloud-Infrastrukturen können zu den Exit-Kosten die Extraktion der Daten, die Konvertierung virtueller Maschinen, der Neuaufbau von Netzwerken, der Ersatz von Managed Services, Performance-Tests, der Parallelbetrieb zweier Plattformen und die funktionale Validierung der Anwendungen gehören.

Nicht jede Workload ist gleich schwer zu migrieren. Eine virtuelle Maschine, die auf verbreiteten Formaten basiert, kann mit vertretbarem Aufwand übertragen werden. Eine Anwendung, die zahlreiche plattformspezifische Dienste nutzt, erfordert deutlich mehr Engineering, Tests und Änderungen am Code.

Souveränität bedeutet nicht, jede proprietäre Technologie zu vermeiden. Sie bedeutet, die Kosten einer Abhängigkeit zu kennen und bewusst zu entscheiden, wo diese akzeptabel ist.

Eine hybride Strategie statt Migration aus Prinzip

Cloud-Souveränität verpflichtet Unternehmen nicht dazu, sämtliche Workloads von AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud abzuziehen. Hyperscaler bieten globale Reichweite, moderne Dienste, Kapazitäten nach Bedarf und schnellen Zugang zu Technologien für Datenanalyse und Künstliche Intelligenz.

Sie können für globale Anwendungen, temporäre Umgebungen, Projekte mit stark schwankender Nachfrage oder Workloads geeignet sein, deren Sensibilität und Abhängigkeitsgrad zuvor bewertet wurden.

Andere Systeme benötigen mehr Kontrolle: Kundendatenbanken, Transaktionsplattformen, geistiges Eigentum, geschäftskritische interne Dienste, Backups, branchenspezifisch regulierte Systeme oder Anwendungen mit stabiler und gut vorhersehbarer Auslastung.

Ein hybrides Modell ermöglicht es, jede Workload entsprechend ihren Anforderungen zu platzieren:

Art der WorkloadMöglicher Ansatz
Entwicklung, Tests und zeitlich begrenzte ProjekteFlexibler Public Cloud
Globale Anwendungen mit schwankender NachfrageHyperscaler oder Multicloud-Architektur
Geschäftsanwendungen mit stabiler AuslastungPrivate Cloud mit dedizierten Ressourcen
Sensible oder regulierte DatenInfrastruktur mit klar definierter Rechtsordnung und Betriebsverantwortung
Ressourcenintensive DatenbankenBare Metal oder dedizierte Infrastruktur
Backups und WiederherstellungAnbieter oder Standort unabhängig von der Produktivumgebung
Kritische WorkloadsHochverfügbarkeit, Replikation und getestete Verfahren

Auch die Nutzung mehrerer Plattformen erzeugt nicht automatisch Souveränität. Eine schlecht geplante Multicloud-Umgebung kann Werkzeuge duplizieren, Kosten erhöhen und die Absicherung erschweren. Diversifizierung sollte auf konkreten Risiken beruhen und durch gemeinsame Verfahren, Identitäten, Netzwerke, Monitoring-Systeme und Richtlinien unterstützt werden.

Die Rolle von Stackscale in einer Strategie für operative Souveränität

Stackscale kann innerhalb eines hybriden oder Multicloud-Modells als dedizierte europäische Infrastruktur eingesetzt werden. Die Private-Cloud-Lösungen kombinieren exklusive Hardware, Netzwerkspeicher, private Konnektivität, spezialisierten Support und Virtualisierung auf Basis von Proxmox VE oder VMware.

Mit Proxmox VE lassen sich Virtualisierungsplattformen auf Basis von Open-Source-Technologien wie KVM und LXC aufbauen. Für viele Unternehmen kann dies eine Alternative sein, mit der sich die Abhängigkeit von bestimmten Lizenzmodellen reduzieren und die Gesamtbetriebskosten besser kontrollieren lassen. Eine Entscheidung sollte jedoch auf einer Prüfung von Kompatibilität, Verfügbarkeit, Backups, Netzwerk, Speicher und betrieblichen Fähigkeiten beruhen und nicht allein auf dem Preis des Hypervisors.

Bare Metal eignet sich für Workloads, die dedizierte Leistung, geringe Latenz, Isolation, direkten Zugriff auf die Hardware oder ein besser vorhersehbares Verhalten benötigen. Eine Private Cloud ergänzt die zugewiesenen Ressourcen um eine Virtualisierungs- und Verwaltungsschicht. Dadurch lassen sich Anwendungen konsolidieren, ohne die physische Kapazität mit anderen Kunden zu teilen.

Für geschäftskritische Umgebungen bietet Stackscale Speicher mit synchroner Georeplikation zwischen zwei mehr als zehn Kilometer voneinander entfernten Rechenzentren in Madrid an. Nach den veröffentlichten Spezifikationen ist der Dienst auf einen RPO und RTO von jeweils null ausgelegt. Er umfasst unabhängige und redundante Speichersysteme, Snapshot-basierte Backups und technischen Support rund um die Uhr.

Die Strategie kann durch reservierte Infrastruktur für Disaster Recovery ergänzt werden. Dieses Modell ermöglicht es, einen Cold Spare an einem entfernten Standort vorzuhalten, ihn bei regelmäßigen Tests zu aktivieren und ihn nach einem Hardwareausfall, Cyberangriff oder anderen Notfall zur Wiederherstellung von Anwendungen einzusetzen.

Diese Funktionen lassen sich in unterschiedlichen Architekturen nutzen: Produktion in einer Private Cloud mit Backups an einem anderen Standort, Workloads bei einem Hyperscaler mit Wiederherstellung bei Stackscale, Proxmox-VE-Cluster mit Netzwerkspeicher, VMware-Plattformen mit zusätzlichem Standort oder schrittweise Migrationen aus On-Premises- und Public-Cloud-Umgebungen.

Das Ziel sollte nicht darin bestehen, die gesamte Infrastruktur an einen einzigen neuen Ort zu verlagern. Entscheidend ist, eine Alternative aufzubauen, die bei Bedarf tatsächlich genutzt werden kann.

Ein 90-Tage-Plan für den Cloud-Ausstieg

Eine erste Bewertung erfordert keine sofortige vollständige Migration. Sie kann über einen Zeitraum von drei Monaten organisiert werden:

PhaseErforderliche ArbeitenErgebnis
InventarisierungMaschinen, Daten, Dienste, Netzwerke und Abhängigkeiten erfassenAktuelle Übersicht der Plattform
KlassifizierungWorkloads nach Kritikalität, Sensibilität und regulatorischen Anforderungen einordnenKlare Prioritäten
RechtsordnungAnbieter, Muttergesellschaft, Unterauftragnehmer und beteiligte Länder prüfenÜbersicht der rechtlichen Exposition
PortabilitätFormate, APIs, Images und Exportwerkzeuge dokumentierenBekannte technische Hindernisse
KostenDatenübertragung, Engineering, Lizenzen und Parallelbetrieb kalkulierenVorläufiges Exit-Budget
ZielplattformAlternative Infrastruktur auswählenVerfügbare Wiederherstellungskapazität
PilotprojektEine repräsentative Workload migrieren oder wiederherstellenGetestetes Verfahren
KontinuitätRTO, RPO und tolerierbare Unterbrechungen definierenMessbare Ziele
SicherheitIdentitäten, Schlüssel, Verschlüsselung und Protokolle prüfenKontrolle während des Übergangs
TestsExporte, Wiederherstellungen und Failover-Verfahren wiederholenAktueller und überprüfbarer Plan

Im ersten Monat kann das Unternehmen die Inventarisierung abschließen und seine Workloads klassifizieren. Im zweiten Monat lässt sich ein repräsentatives System auswählen, die Zielumgebung vorbereiten und eine erste Migration oder Wiederherstellung durchführen. Der dritte Monat sollte dazu dienen, Zeitaufwände zu messen, Ausnahmen zu dokumentieren und der Geschäftsleitung die ermittelten Kosten und Risiken vorzulegen.

Das Ergebnis muss keine sofortige Migration sein. Bereits das Wissen, dass eine Alternative existiert, welche Kosten sie verursacht, wie viel Zeit sie benötigt und welche Abhängigkeiten beseitigt werden müssen, verbessert die Entscheidungsfähigkeit des Unternehmens.

Cloud-Souveränität wird dann praktisch relevant, wenn sie nicht mehr nur als politischer Begriff verstanden wird, sondern sich in Architektur, Verträgen, Verfahren und Tests widerspiegelt. Der Einstieg in eine Plattform ist eine technische und finanzielle Entscheidung. Die Fähigkeit, selbst zu bestimmen, wie und wann man sie wieder verlässt, ist eine Entscheidung über die Geschäftskontinuität.

Häufig gestellte Fragen

Verhindert die Speicherung von Daten in einer europäischen Region die Anwendung des CLOUD Act?

Nicht unbedingt. Der physische Standort ist relevant, Unternehmen müssen aber auch prüfen, ob der Anbieter der US-Gerichtsbarkeit unterliegt und ob er die Informationen besitzt, verwahrt oder kontrolliert.

Macht der Data Act Cloud-Migrationen kostenlos?

Nein. Ab dem 12. Januar 2027 entfallen die in der Verordnung definierten Wechselentgelte. Unternehmen müssen jedoch weiterhin die Kosten für Engineering, Anpassungen, Datenübertragung, Tests und Betrieb tragen.

Müssen Unternehmen Hyperscaler aufgeben, um eine souveräne Cloud-Strategie umzusetzen?

Nein. Eine solche Strategie kann Public Cloud, Private Cloud, Bare Metal, europäische Anbieter und einen unabhängigen Standort für Backups oder Disaster Recovery kombinieren. Jede Workload sollte entsprechend ihrem Risiko, ihrer Kritikalität und ihren technischen Abhängigkeiten platziert werden.

Was ist der erste Schritt, um die Abhängigkeit von einem Anbieter zu reduzieren?

Zunächst sollten alle Workloads und ihre Abhängigkeiten erfasst, die anwendbare Rechtsordnung geprüft und ein realer Export-, Migrations- oder Wiederherstellungstest auf einer alternativen Infrastruktur durchgeführt werden.

Quellen:

  • Aire am 08.07.2026 veranstalteten Webinars Despeja tu Cloud.
  • Verordnung (EU) 2023/2854, Data Act, insbesondere Artikel 23 bis 32.
  • United States Code, Titel 18, Abschnitt 2713, zum territorialen Anwendungsbereich des CLOUD Act.
  • Vorschlag der Europäischen Kommission für den Cloud and AI Development Act vom 03.06.2026.
  • Stackscale, Private-Cloud-Lösungen mit Proxmox VE und VMware.
  • Stackscale, Speicher mit synchroner Georeplikation.
  • Stackscale, reservierte Infrastruktur für Disaster Recovery.
Cookies customization

By allowing cookies, you voluntarily agree to the processing of your data. This also includes, for a limited period of time, your consent in accordance with the Article 49 (1) (a) GDPR in regard to the processing of data outside the EEA, for instead, in the USA. In these countries, despite the careful selection and obligation of service providers, the European high level of data protection cannot be guaranteed.

In case of the data being transferred to the USA, there is, for instance, the risk of USA authorities processing that data for control and supervision purposes without having effective legal resources available or without being able to enforce all the rights of the interested party. You can revoke your consent at any moment.

Necessary Cookies

Necessary cookies help make a web page usable by activating basic functions such as the page navigation and the access to secure areas in the web page. The web page will not be able to work properly without these cookies. We inform you about the possibility to set up your browser in order to block or alert about these cookies, however, it is possible that certain areas of the web page do not work. These cookies do not store any personal data.

- moove_gdpr_popup

Analytical Cookies

Analytical cookies allow its Editor to track and analyze the websites’ users behavior. The information collected through this type of cookie is used for measuring the activity on websites, application or platform, as well as for building user navigation profiles for said websites, applications and platforms, in order to implement improvements based on the analysis of data on the usage of the service by users.

 

Google Analytics: It registers a single identification used to generate statistical data about how the visitor uses the website. The data generated by the cookie about the usage of this website is generally transferred to a Google server in the USA and stored there by Google LLC, 1600 Amphitheatre Parkway Mountain View, CA 94043, USA.

- _dc_gtm_UA-XXXXXXXX-X

- _gat_gtag_UA_XXXXXXXX_X

- _ga

- _gcl_au

- _gid